Eine Unternehmensübernahme ist ein komplexer Prozess, bei dem es um weit mehr geht als nur um finanzielle und rechtliche Aspekte. Besonders die „weichen Faktoren“ wie Mitarbeiterführung, Unternehmenskultur und digitale Transformation entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg. In diesem Beitrag beleuchten wir die fünf häufigsten Herausforderungen bei Unternehmensübernahmen und zeigen praxisnahe Lösungsansätze.
1. Widerstand bei Mitarbeitern
Die Herausforderung
Bei Unternehmensübernahmen ist Widerstand von Mitarbeitern nahezu vorprogrammiert. Langjährige Teammitglieder haben sich an bestimmte Abläufe, Führungsstile und Unternehmenskulturen gewöhnt. Veränderungen – insbesondere wenn sie mit Digitalisierung und neuen Prozessen einhergehen – werden oft als Bedrohung wahrgenommen.
Die Lösung
Frühzeitige und transparente Kommunikation ist der Schlüssel. Erklären Sie den Mitarbeitern, warum Veränderungen notwendig sind und welche Vorteile sie bringen. Noch wichtiger: Aktive Einbindung der Schlüsselpersonen in den Veränderungsprozess. Wenn erfahrene Mitarbeiter zu Mitgestaltern werden, sinkt der Widerstand erheblich.
Praxisbeispiel: Bei der Übernahme einer HNO-Praxis wurden die langjährigen Praxismitarbeiterinnen von Anfang an in die Planung der Digitalisierung einbezogen. Sie konnten Bedenken äußern und eigene Vorschläge einbringen. Das Ergebnis: Eine reibungslose Umstellung von Papierakten auf ein digitales Patientenmanagementsystem ohne Fluktuation im Team.
2. Integration unterschiedlicher Unternehmenskulturen
Die Herausforderung
Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur – explizite und implizite Werte, Kommunikationsmuster und „ungeschriebene Regeln“. Bei einer Übernahme prallen diese Kulturen aufeinander, was zu Missverständnissen und Konflikten führen kann.
Die Lösung
Statt die bestehende Kultur komplett zu ersetzen oder zu ignorieren, ist ein behutsamer Transformationsprozess erfolgsversprechender. Identifizieren Sie die Stärken der vorhandenen Kultur und integrieren Sie sie in Ihre Vision. Gemeinsame Workshops zur Erarbeitung neuer Leitlinien schaffen Identifikation und Akzeptanz.
Praxisbeispiel: Ein Handwerksbetrieb in zweiter Generation entwickelte gemeinsam mit dem Team ein neues Leitbild, das traditionelle Werte (Qualität, Handwerkskunst) mit modernen Aspekten (Digitalisierung, Work-Life-Balance) verband. Die Visualisierung dieses Leitbilds in der Werkstatt diente als täglicher Kompass für alle Beteiligten.
3. Digitalisierung veralteter Prozesse
Die Herausforderung
Viele übernommene Unternehmen – besonders wenn der Vorgänger kurz vor dem Ruhestand stand – arbeiten mit veralteten Prozessen und wenig Digitalisierung. Die Modernisierung ist notwendig, überfordert aber oft sowohl Übernehmer als auch Mitarbeiter.
Die Lösung
Ein schrittweiser Digitalisierungsansatz ist erfolgreicher als ein radikaler Umbruch. Beginnen Sie mit den Bereichen, die den größten Nutzen versprechen und schnelle Erfolge ermöglichen. Individuelle Schulungen statt Massentrainings helfen, Ängste abzubauen und Kompetenzen aufzubauen.
Praxisbeispiel: Bei der Übernahme einer Zahnarztpraxis wurde zunächst nur das Terminmanagement digitalisiert, während Patientenakten parallel noch in Papierform geführt wurden. Erst nach erfolgreicher Gewöhnung an das digitale Terminbuch folgte die Umstellung der Patientendokumentation – mit deutlich weniger Widerstand.
4. Wissenstransfer sicherstellen
Die Herausforderung
Bei Unternehmensübernahmen geht es um mehr als nur die Übertragung von Vermögenswerten – das Wissen und die Erfahrung des Vorgängers sind oft entscheidend für den fortlaufenden Erfolg. Dieses implizite Wissen ist jedoch schwer zu dokumentieren und weiterzugeben.
Die Lösung
Planen Sie eine ausreichend lange Übergabephase, in der der Vorgänger noch verfügbar ist. Strukturierte Wissenstransfer-Workshops helfen, implizites Wissen zu externalisieren. Die Dokumentation von Kernprozessen in einem digitalen Wiki sichert wertvolles Know-how langfristig.
Praxisbeispiel: Bei einem mittelständischen Fertigungsbetrieb wurde ein sechsmonatiger Wissenstransfer-Plan erstellt. Der scheidende Inhaber begleitete den Nachfolger zu Kundenterminen, dokumentierte spezielle Fertigungstechniken und stand für wöchentliche Reflexionsgespräche zur Verfügung.
5. Gleichzeitig führen und verändern
Die Herausforderung
Als Übernehmer müssen Sie gleichzeitig zwei anspruchsvolle Aufgaben bewältigen: Das laufende Geschäft erfolgreich führen UND die notwendigen Veränderungen implementieren. Diese Doppelbelastung führt oft zu Überforderung oder dazu, dass einer der beiden Aspekte vernachlässigt wird.
Die Lösung
Entwickeln Sie einen realistischen Change-Fahrplan mit klarer Priorisierung. Nicht alles muss sofort verändert werden. Professionelle Begleitung durch erfahrene Coaches entlastet Sie und bringt externe Perspektiven ein. Die Delegation an vertrauenswürdige Schlüsselpersonen schafft Freiräume für strategische Aufgaben.
Praxisbeispiel: Eine Übernehmerin eines Ingenieurbüros konzentrierte sich im ersten halben Jahr auf die Kundenkontinuität und delegierte interne Verbesserungsprozesse an einen erfahrenen Projektleiter. Erst nach der Stabilisierung der Kundenbeziehungen startete sie mit der systematischen digitalen Transformation.
Staatliche Förderung für Change-Management bei Übernahmen
Die gute Nachricht: Für die professionelle Begleitung von Change-Management-Prozessen bei Unternehmensübernahmen stehen staatliche Fördermittel zur Verfügung. Das INQA-Coaching übernimmt bis zu 80% der Beratungskosten für KMU.
Mit dieser Förderung können Sie sich professionelle Unterstützung für die Gestaltung des Übernahmeprozesses sichern:
- Entwicklung eines Change-Management-Konzepts
- Begleitung bei der Mitarbeiterführung in Veränderungsprozessen
- Unterstützung bei der digitalen Transformation
- Moderation von Wissenstransfer-Workshops
- Implementierung neuer Prozesse und Strukturen
Fazit: Übernahme ist Teamarbeit
Eine erfolgreiche Unternehmensübernahme ist kein Einzelkampf, sondern ein Teamprojekt. Mit einer durchdachten Change-Strategie, professioneller Begleitung und der aktiven Einbindung aller Beteiligten können die typischen Herausforderungen gemeistert werden.
Besonders wichtig: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für den Transformationsprozess. Eine behutsame, aber konsequente Veränderung ist nachhaltiger als ein radikaler Umbruch, der auf Widerstand stößt.
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